
Die Weltethos-Idee steht für elementare und verbindliche Maßstäbe
im Umgang miteinander – nicht in Detailfragen, sondern im Blick auf
die Grundeinstellungen. Damit lassen sich Werte und Normen finden, die an
einer Schule gelten sollen, für alle Bereiche des schulischen Lebens:
• als Klassen- bzw. Schülerethos,
• als Lehrerethos (»Führungskräfte-Ethos«),
• als Schulethos.
Im Unterricht: Klassen- bzw. Schülerethos
Klassenregeln werden von den Schülern selbstständig erarbeitet und diskutiert, indem sich die Schüler z. B. folgende Fragen stellen:
• »Wie wünsche ich mir, das wir im Unterricht und in der
Klasse miteinander umgehen?«;
• »Was wäre für mich Fairplay im Unterricht?«;
• »Was erwarten wir als Klasse von unserem Lehrer?«.
Diejenigen Regeln, auf die sich alle, auch die Lehrer, einigen können,
werden für verbindlich erklärt. Sie werden dann für alle sichtbar im Klassenzimmer angebracht.
Regelverstöße können durch ausgebildete Streitschlichter
oder durch die Klasse als Ganzes thematisiert, geschlichtet und geahndet
werden.
Beispiel: Klassenregeln [zeigen]
Beispiel: Bitten einer Klasse an ihren Lehrer [zeigen]
Kinder und Jugendliche brauchen überzeugende Vorbilder, glaubwürdige Autoritäten, die Werte nicht nur im Unterricht vermitteln, sondern diese auch im Alltag »vorleben«.
In der Gesamtlehrerkonferenz können sich die Lehrkräfte
folgende oder ähnliche Fragen stellen:
• »Was ist ein Schüler für uns?«;
• »Wie nehmen wir die Schüler überhaupt wahr?«;
• »Welche Erwartungen bringen wir ihnen (un-) bewusst entgegen?«.
Die Lehrerschaft sollte sich bewusst werden, dass sie als Kollegium
gemeinsam die Verantwortung für ein gutes Klima untereinander und gegenüber
der Schülerschaft trägt.
Beispiel: Leitsätze des Lehrerkollegiums einer Berliner
Schule [zeigen]
In der Schule: Schulethos
Für Schulen wird es immer wichtiger, ein klares Profil zu entwickeln
und Antworten zu geben auf Fragen wie:
»Wer sind wir an dieser Schule?«;
»Wie wollen wir miteinander umgehen?«;
»Welche Zielgruppe (künftige Schüler) wollen wir erreichen?«.
• Ein Schulethos ist der Versuch, die Grundregeln des Zusammenlebens und –arbeitens gemeinsam von Schülern, Lehrern, Angestellten und Eltern der Schule zu formulieren. Schulethos ist eine freiwillige Selbstverpflichtung aller.
• Die Erarbeitung eines Schulethos braucht viel Zeit, mitunter kann sie ein bis zwei Jahre dauern.
• Der Prozess sollte von einer Steuerungsgruppe mit Vertretern aller Beteiligten koordiniert und begleitet werden.
• Die Durchsetzung eines Schulethos braucht viel Überzeugungsarbeit. Zur besseren Durchsetzung und für Konfliktfälle empfiehlt sich die Einsetzung eines Gremiums aus Lehrern und Schülern.
• Das Schulethos kann auch in eine Schulvereinbarung einfließen, die von jedem neuen Lehrer, Schüler und von den Eltern beim Schuleintritt unterschrieben werden muss.


