Jugendcamp »Find Your World«
Phase 2
Tage der Verständigung und des Dialogs
Die Teilnehmer tauschten sich aus über Gebote und Regeln, über
Gebräuche, Gesänge und Gebete, und scheuten auch vor Konfliktthemen
nicht zurück. Sie diskutierten über Chancen und Grenzen des ›Projekt
Weltethos‹ und versuchten es im Alltag gemeinsam zu leben.
Dilek
(Muslima)
»Ich wurde darauf angesprochen, warum Muslimas Kopftücher tragen
und warum ich keines trage. Mir gefiel dabei sehr, dass die Christen, die sich
mit mir unterhalten haben, sehr interessiert waren und ihre Vorurteile abzubauen
bereit waren.
Ich erklärte ihnen, dass eine Frau ihre erotischen Merkmale
bedecken soll, damit ein Mann sie und ihren Charakter kennen lernen muss und
nicht nur nach ihrer äußeren Schönheit gehen kann. [...]
Nach
einer Weile bekam ich auch einen Einblick in die Unterschiede zwischen Katholiken,
Lutheranern, Reformierten und Baptisten. Es wurden immer wieder leichte Spannungen
in der christlichen Gruppe deutlich, die aber, wie ich fand, gut gemeistert
wurden.«
David
(Jude)
»Ich schloss Freundschaft mit drei gleichaltrigen Muslimen. Wir sprachen
kaum über Religion, sondern über Freizeitbeschäftigungen. Für
uns war es wichtig, dass jeder menschlich ist, den anderen respektiert und
so nimmt, wie er ist. [...]
Ich wurde oft nach Gebräuchen und Hintergründen
gefragt und beantwortete die Fragen nach meiner Auffassung. Der Abstand zu
den Christen wurde geringer und nach kurzer Zeit verstand ich mich gut mit
einigen Christen.«
Judith
(Christin)
»Es sind viele Vorurteile abgebaut worden durch Gespräche. Vorurteile,
die wir Christen gegenüber den Muslimen und Juden haben. Ganz klar gibt
es diese Vorurteile, man wird einfach durch die Medien beeinflusst – das
Feindbild Islam kam zum Beispiel immer wieder hoch.«
Judith
und Michael (Christen)
»Das ›Projekt Weltethos‹ entwickelte und zeigte sich uns
auf der menschlichen Ebene – in Gesprächen, beim Kochen, Spielen
oder Essen. Die persönliche Begegnung wurde im Verlauf der Woche immer
ungezwungener und lockerer, die menschliche Ebene war das Wichtigste.
Wir denken,
dass wir das ›Projekt Weltethos‹ ganz einfach gelebt haben – ohne
Krampf und Zwang auf persönlicher Ebene.«