Das Projekt
Walter Lange, Lehrer und freier Mitarbeiter der Stiftung, hat das
Projekt »Gute Nachbarschaft« an einer Gesamtschule im Ruhrgebiet über
den Zeitraum von einem Schuljahr in einer 10. Klasse durchgeführt.
Aktivitäten
• Gemeinsamer Besuch von religiösen Stätten: Kirchen,
Klöster, Moscheen und Synagogen;
• Gemeinsame Teilnahme an »Tagen religiöser Orientierung« in
einem Kloster und einer Jugendbildungsstätte;
• Gespräche im Religionsunterricht über Gemeinsamkeiten und
Unterschiede der jeweiligen Religionen;
• Gemeinsame Projekttage »Begegnung mit dem Fremden«: Kontakte
zu einem Jugendgefängnis, zu Obdachlosen und zu Behinderten.
Stimmen
Das Fremde im Anderen
Murat: »Natürlich halte ich an meinen Glaubensgrundsätzen fest.
Das fehlt ja noch, dass ich mir von Christen etwas sagen lasse, die einen am
Kreuz anbeten, der gar nicht gestorben ist.«
Christiane: »Hör’ bloß auf. Ihr mit euren komischen Bet-Formen.
Ihr legt da einen Teppich aus, was soll der Quatsch eigentlich?«
Kopftuch als Stigma?
Herr Lange fragt Aysel: »Haben sich deine Mitschüler schon einmal
abfällig über
dein Kopftuch geäußert?«
Aysel: »Ich lasse mir von denen doch nichts sagen!«
Herr Lange: »Was empfindest du, wenn die anderen so über dich reden?«
Aysel: »Ich bleibe bei meiner Religion.«
Herr Lange: »Noch einmal, ich habe gefragt, was du empfindest, wenn die
anderen so über
dich reden.«
Aysel: »Es stört mich schon.«
Herr Lange: »Ich halte es
für wichtig, dass wir in unserer Religionsgruppe
all das aussprechen, was uns am Verhalten der anderen Religionen stört und
ohne Scheu alle Fragen stellen, die wir an die jeweils andere Religion haben.«
Fazit
Der gegenseitige intensive Austausch, auch das Ansprechen umstrittener Themen,
halfen die eigene Identität bewusster zu machen und die Haltung gegenüber
anderen zu überprüfen. So manche Vorurteile und Wissenslücken
konnten dadurch bei Schülern wie Eltern abgebaut werden.