Nicht tauglich für eine neue Weltwirtschaftsordnung ist eine unökonomische
Gesinnungsethik (besonders von Kirchenleuten oder Gewerkschaftsvertretern):
Für
die Allgemeinheit moralische Forderungen bar aller ökonomischer Rationalität zu erheben, ohne also die Gesetzlichkeiten der Wirtschaft zu beachten, ist keine
Moral, sondern Moralismus.
Auch nicht tauglich für eine neue Weltwirtschaftsordnung ist eine gesinnungslose
Erfolgsethik (besonders von Managern, aber auch Unternehmensberatern): Dogmatisch ökonomische
Auffassungen bar aller ethischen Normen zu vertreten, ist nicht Ökonomie,
sondern ökonomischer Reduktionismus, Ökonomismus.
Wahrnehmen der eigenen
Interessen und jedes unternehmerische Handeln muss sich ethisch verantworten,
auch wenn dies im konkreten Fall des Konkurrenzdruckes eine Zumutung bedeuten
mag.
Tauglich für eine neue Weltwirtschaftsordnung ist nur ein Ethos
der Verantwortung, das wirtschaftliche Strategien und ethisches
Urteil überzeugend miteinander
verbindet.
Wenn man Ethos auch gegenüber der Wirtschaft realistisch ins Spiel bringen
will, dann muss man dies konkret so begründen, dass das Ethos sich von
den wirtschaftlichen Prozessen selber her aufdrängt.
Ethos der Verantwortung
– Ein Ethos der Verantwortung setzt auch in der Wirtschaft eine Gesinnung,
Ideale und Werte voraus, fragt aber realistisch nach den voraussehbaren, besonders
auch negativen Folgen wirtschaftlicher Entscheidungen und übernimmt dafür
auch die Verantwortung.
– Ein verantwortetes Wirtschaften besteht darin, die wirtschaftlichen
Strategien und das ethische Urteil überzeugend zu verbinden.
(Hans Küng: Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft,
1997, S. 319)