Ausgrenzung und Solidarisierung
Muslime wurden in Ruanda seit langem auf vielfältige Weise (wirtschaftlich,
politisch, sozial, religiös) von staatlicher Seite benachteiligt. Durch
diese Ausgrenzung entstand ein starker innerer Zusammenhalt und eine Solidarisierung über
die ethnischen Grenzen hinweg.
Islamische Werte
In ihren »Sensibilisierungskampagnen« für den drohenden ethnischen
Konflikt betonen die Muslime mit Berufung auf den Koran das islamische Gleichheitsgebot
aller Menschen, das Gebot, Notleidenden und Verfolgten zu helfen und das Tötungsverbot.
Aktionen
• Öffentliche Stellungnahmen in Moscheen, im Radio und in Flugblättern
rufen vor und während des Konflikts zu Gewaltlosigkeit auf.
• Schutz von Tutsi-Flüchtlingen in Moscheen und karitative Unterstützung.
• Organisation von Fluchthilfe.
• Behinderung der Todesschwadronen durch Straßensperren in muslimischen
Dörfern.
• Rettung einzelner Tutsi durch Freikauf.
• Die Ermordung der ortsansässigen Tutsi wird mit fingierten Gräbern
vorgetäuscht, damit die Todesschwadronen weiter ziehen.
Glaubwürdigkeit
Die ruandischen Muslime waren politisch unabhängig und neutral; dies machte
sie für die bedrohten und verfolgten Tutsi besonders vertrauenswürdig.
Die Muslime halfen allen Verfolgten, unabhängig von religiöser und
ethnischer Zugehörigkeit.
Muslimische Geistliche waren strikt gegen jegliche Gewaltanwendung und vertraten
dies zu allen Zeiten auch öffentlich.