Ruandische Muslime gegen den Völkermord und Hilfe für
die Verfolgten
Zeittafel
1884–1916/18: Ruanda ist Teil der deutschen Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute:
Burundi, Ruanda, Tansania).
1918–1962: Ruanda-Urundi wird belgisches Mandatsgebiet. Die Tutsi Minderheit dominiert und regiert die Hutu Mehrheit.
1962: Unabhängigkeit von Ruanda und Burundi.
1962–1973: Erste Republik Ruanda. Die Hutu Mehrheit übernimmt die Kontrolle. Massaker an Tutsi und Vertreibungen.
Viele Tutsi leben jahrzehntelang in den Nachbarländern (Uganda, Burundi, Tansania
und DR Kongo).
1973–1994: Zweite Republik Ruanda. Die sozialen Spannungen führen
1973 zu einem unblutigen Militärputsch. Generalmajor Habyarimana (Hutu)
wird Staatspräsident.
1. Oktober 1990: Die Ruandische Patriotische Front (RPF), vor allem Exil-Ruander
(Tutsi) aus Uganda, greifen Ruanda an, um militärisch die Rückkehr
von Flüchtlingen zu erzwingen. Die RPF besetzt Teile Nord-Ruandas. Unterdessen
warnen muslimische Autoritäten vor ethnisch begründeter Gewalt und
setzen sich öffentlich für Gewaltlosigkeit ein.
4. August 1993: Unterzeichnung des Arusha-Friedensabkommens zwischen dem Präsidenten
von Ruanda, Habyarimana (Hutu) und der RPF, der Tutsi-Rebellenarmee.
Oktober 1993: Im Nachbarland Burundi wird der Präsident Ndadaye (Hutu) von
Tutsi ermordet, ein Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi beginnt.
6. April 1994: Nach Verhandlungen zur Umsetzung des Arusha-Abkommens wird das
Flugzeug mit dem ruandischen Präsidenten Habyarimana und dem neuen burundischen
Präsidenten Ntaryamira (Hutu) abgeschossen.
6. April – 15. Juli 1994: Die regierenden Hutu in Ruanda
machen Tutsi-Rebellen für den Anschlag verantwortlich und starten einen
generalstabsmäßig
geplanten und durchgeführten Völkermord an den Tutsi. Innerhalb von
100 Tagen werden ca. 1 Mio. Tutsi und oppositionelle Hutu ermordet. Nur zehn
Prozent der ruandischen Tutsi überleben, viele Dank der Hilfe von Muslimen.
Die RPF kämpft jetzt gegen das den Völkermord organisierende Hutu-Regime
und erobert Stück für Stück ganz Ruanda.
4. Juli 1994: Die RPF übernimmt die Kontrolle über die Hauptstadt Kigali,
der Völkermord ist beendet. 2 Mio. Hutu fliehen in die Nachbarländer
aus Angst vor Racheakten der Tutsi.
19. Juli 1994: Die siegreiche RPF unter Führung von Paul Kagame setzt eine
Koalitionsregierung und den gemäßigten Hutu Pasteur Bizimungu als
Staatspräsidenten ein. Dieser bittet bei der Einsetzung des ersten muslimischen
Ministers die Muslime Ruandas »die anderen Ruander zu lehren, wie man zusammenlebt«.