Sant’ Egidio nimmt Kontakt zu den Konfliktparteien auf. Im Mai 1988 trifft
sich Erzbischof Gonçalves (früher bei Sant’Egidio) mit RENAMO-Anführer
Dhlakama; die Widerstandsbewegung fühlt sich als relevante politische
Kraft ernst genommen.
2. Phase:
Pendeldiplomatie
1989 betreiben Gonçalves und andere Kirchenvertreter vertrauensbildende
Pendeldiplomatie zwischen den Konfliktparteien, um die Voraussetzungen für
direkte Gespräche zu schaffen. Angesichts des militärischen Patts
und der katastrophalen Situation der Bevölkerung werden schließlich
direkte Verhandlungen aufgenommen.
3. Phase:
Erstes Treffen in Rom
Im Juli 1990 kommen FRELIMO und RENAMO erstmals zu einem direkten, geheimen
Treffen auf neutralem Boden bei Sant’ Egidio in Rom zusammen. Misstrauen
wird abgebaut, die Rahmenbedingungen für weitere Verhandlungen werden
festgelegt, Sant’ Egidio wird Konfliktvermittler.
4. Phase:
Anerkennung als Verhandlungspartner
Das Treffen in Rom legt den Grundstein für die Konfliktbearbeitung im
eigentlichen Sinn: Die Konfliktparteien anerkennen sich nun als legitime Gesprächs-
und Verhandlungspartner.
5. Phase:
Schwierige Friedensverhandlungen
Bei gemeinsamen öffentlichen Auftritten bekennen sich die Konfliktparteien
demonstrativ zum Friedensprozess und verpflichten sich, diesen Weg weiter zu
gehen.
Doch die Verhandlungen ziehen sich zwei Jahre hin und die Bevölkerung
von Mosambik leidet weiter unter dem Krieg. Die immer wieder aufflammende Gewalt
zwischen FRELIMO und RENAMO untergräbt das gewonnene Vertrauen und gefährdet
den Friedensprozess.
Trotz aller Kritik bleiben die Vermittler überzeugt, dass eine dauerhafte
Lösung von den Konfliktparteien selber gefunden werden muss und verzichten
auf jeglichen Druck.
6. Phase:
Gegenseitige Anerkennung als Regierung bzw. als politische
Opposition
Nach zweijährigen Verhandlungen verständigen sich die Konfliktparteien
schließlich auf gegenseitige militärische Zurückhaltung: RENAMO
akzeptiert das bestehende politische System und die FRELIMO-Regierung anerkennt
die RENAMO als legitime politische Opposition.
7. Phase:
Detailverhandlungen und Friedensvertrag 1992
Die Details eines Friedensvertrags werden ausgehandelt. Als Berater werden
punktuell Vertreter von UNO und Regierungen verschiedener Beobachterstaaten
(USA, UdSSR, Portugal, Italien etc.) herangezogen – wesentliches Kennzeichen
des »Formel von Rom«-Vermittlungsstils.
Im August 1992 treffen sich Staatspräsident Chissano und Rebellenführer
Dhlakama in Rom, im September werden in Botswana noch offene Fragen (Rückkehr
der Flüchtlinge, Neuwahlen) geklärt, Anfang Oktober wird der Friedensvertrag
unterzeichnet, der den Wandel des politischen Systems zu einer Demokratie regelt.
Ende
Oktober 1994 finden die ersten freien demokratischen Wahlen unter internationaler
Beobachtung ohne Zwischenfälle statt: FRELIMO-Führer Chissano bleibt
Präsident, die RENAMO wird mit 38 % der Sitze Opposition.