Mosambik: Der Frieden von Rom und die Rolle Sant’ Egidios
Sant’ Egidio – eine katholische Laienbewegung
Die Bewegung wurde 1968 von Schülern gegründet; ihr Sitz befindet sich
seit 1986 im ehemaligen Karmeliterinnenkloster Sant’ Egidio in Rom. Inspiriert
vom Zweiten Vatikanischen Konzil sind ihre zentralen Anliegen: Gebet, Weitergabe
des Evangeliums, ökumenischer und interreligiöser Dialog und Hilfe
für die Armen (zunächst in Rom, dann in aller Welt).
In den 1980ern begann ihr Engagement in der politischen Friedensvermittlung:
als Voraussetzung für wirksame humanitäre Hilfe. Sant’ Egidio
leistete u. a. Friedensarbeit im Libanon (1982) und in Algerien (1999). In 300
Gemeinden in mehr als 70 Ländern sind heute ca. 50.000 Mitglieder organisiert,
ein weltweites Netzwerk von Kontaktpersonen.
Zeittafel
1498: Mosambik wird vom portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama auf dem Weg nach
Indien entdeckt.
Seit 1792: portugiesische Kolonie.
1962: die Befreiungsfront FRELIMO (Frente Libertação de Moçambique)
wird gegründet.
1974: der portugiesische Diktator Caetano wird gestürzt.
25. Juni 1975: Tag der Unabhängigkeit; die FRELIMO übernimmt die Regierung
und errichtet einen kommunistischen Einparteienstaat.
1975–1992: Bürgerkrieg zwischen der regierenden FRELIMO und der bewaffneten
Widerstandsbewegung RENAMO (Resistencia Nacional de Moçambique).
1984: Die katholische Laienbewegung Sant’Egidio engagiert sich mit humanitärer
Hilfe in Mosambik, gewinnt so das Vertrauen der Menschen und beider Konfliktparteien.
1985: Gespräche zwischen der FRELIMO-Regierung und Sant’Egidio regeln
das Verhältnis zwischen Staat und katholischer Kirche; Rückgabe von
Kircheneigentum.
1986: Tod des Staatspräsidenten Machel bei einem Flugzeugabsturz; neuer
Präsident Chissano reagiert auf Kurswechsel in der Sowjetunion unter Gorbatschow:
Abkehr von der kommunistischen Ideologie, Öffnung zum Westen, innenpolitische
Reformen, besseres Verhältnis zu den Kirchen.
1988: Erzbischof Gonçalves trifft sich nach Kontaktvermittlung durch Sant’Egidio
mit RENAMO-Führer Dhlakama; Pendeldiplomatie von Kirchenvertretern zwischen
beiden Lagern zur Vertrauensbildung.
1990: Ende der Apartheid in Südafrika.
1989–1992: Friedensverhandlungen in Rom mit der »Formel
von Rom«:
neue Art der Konfliktvermittlung mit Hilfe von Regierungs- und Nichtregierungsleuten.
4. Oktober 1992: Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen FRELIMO und RENAMO.
Oktober 1994: freie, gleiche und faire Wahlen in Mosambik; FRELIMO gewinnt, RENAMO
akzeptiert dies.