Die Evangelische Kirche war die einzige gesellschaftliche Macht, die weitgehende
politische Unabhängigkeit und ideologische Neutralität besaß,
und daher als vertrauenswürdiger Vermittler zwischen Staat und Bürgern
akzeptiert wurde.
Christliche Motivation
Motiviert durch die christliche Botschaft und die evangelische Tradition drangen
evangelische Christen und Kirchenvertreter schon früh auf gesellschaftliche
Reformen und die Durchsetzung von Freiheitsrechten (Reisefreiheit, freie
Meinungsäußerung etc.).
Aktionen
In ihrer Doppelrolle als »Dach der Opposition« und politische Vermittlerin
wurde die evangelische Kirche auf vielfältige Weise aktiv:
• Kirchen dienten als Treffpunkt für Oppositionsgruppen und als
Ort für politische Veranstaltungen;
• oppositionelle Gruppen wurden mit kirchlichen Ressourcen (Personal,
Technik etc.) unterstützt, manche Pfarrer wurden Leiter solcher Gruppen;
• vermittelnde Gespräche mit der Regierung für Zugeständnisse
an die Bevölkerung und zur Vermeidung von Gewalt;
• Veranstaltung von Friedensgebeten zur Einstimmung auf Gewaltfreiheit
vor den Montagsdemonstrationen;
• Organisation von »Runden Tischen« nach der Wende.
Glaubwürdigkeit
Weitgehende politische und ideologische Neutralität und moralische Autorität
machten die Evangelische Kirche zu einem glaubwürdigen und von allen Seiten
akzeptierten Friedensakteur.
Wirksamkeit
Ihre vielfältigen Kontakte – zur Opposition, national und international – machten
die Evangelische Kirche zu einem äußerst wirksamen Friedensakteur:
• Einfluss auf Inhalte und Methoden der Opposition;
• Kontakte zu einflussreichen Personen des öffentlichen Lebens und
Regierungsvertretern zur Vermittlung und Deeskalation;
• Kontakte zur westdeutschen Evangelischen Kirche und damit Zugang zu
westlichen Medien und der Weltöffentlichkeit.