DDR: Die demokratische »Wende« 1989/90 und die Rolle der Ev.
Kirche
Zeittafel
1949: Verfassung der DDR gesteht der Evangelischen Kirche den Status einer öffentlich-rechtlichen
Körperschaft, Recht auf Selbstbestimmung und Unantastbarkeit ihres Eigentums
zu.
1968: Neue Verfassung schränkt Rechte der
Kirche ein: Schutz kirchlicher Aktivitäten nur noch bei Gottesdiensten und
gemeinnützigen Tätigkeiten.
Ab 1973: Im Zuge der Entspannungspolitik und
unter dem Druck der UdSSR muss die Regierung Kooperationsangebote an die Evangelische
Kirche machen.
1978: Spitzengespräch über das Verhältnis
von Kirche und Staat zwischen Erich Honecker (Staatsoberhaupt) und Bischof Schönherr
(Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbundes): Honecker anerkennt das »eigenständige
Wirken der Kirche als bedeutsamer Faktor des gesellschaftlichen Lebens heute
und künftig«.
1980er: Oppositionsgruppen treffen sich unter
dem schützenden Dach der Kirchen; Widerstand formiert sich, die Kirche wird
zum Sprachrohr der Systemkritiker.
19. Januar 1989: Erich Honecker verkündet,
dass die Mauer in fünfzig, ja in hundert Jahren noch bestehen bleibt, wenn
die Bedingungen, die zum Mauerbau geführt haben, nicht beseitigt sind.
Mai 1989: Ungarn öffnet seine Grenze zu Österreich
und beginnt mit dem Abbau der Sperranlagen: Ungarn wird für Besucher aus
den Ostblockstaaten zum »Schlupfloch« in den Westen.
Wahlbetrug bei Kommunalwahlen in der DDR löst weit reichende Proteste aus.
Sommer 1989: Zehntausende fliehen über Ungarn
und Österreich oder über Botschaften der BRD in den osteuropäischen
Staaten nach Westdeutschland.
7./8. Juli 1989: Der sowjetische Präsident
Michail Gorbatschow plädiert für die »eigenständige Lösung
nationaler Probleme« und signalisiert damit die Nicht-Einmischung der Sowjetunion.
7. Oktober 1989: Bei seinem Besuch zum 40. Gründungstag
der DDR mahnt Gorbatschow grundlegende Reformen an.
9. Oktober 1989: In Leipzig demonstrieren ca.
100.000 Menschen im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche.
23. Oktober 1989: Auf der Montagsdemonstration
in Leipzig rufen ca. 300.000 Menschen: »Wir sind das Volk!«
4. November 1989: In Ost-Berlin demonstrieren über
1 Mio. Menschen.
9. November 1989: Die Berliner Mauer fällt,
die Grenzübergänge nach West-Berlin werden geöffnet.
3. Oktober 1990: Der Wiedervereinigungsvertrag
tritt in Kraft.