Wichtige Voraussetzung war die spezifisch philippinisch-katholische Frömmigkeit.
Der Glaube spielt im Alltag der Filipinos eine große Rolle: 80 Prozent sind
praktizierende Katholiken und mit der katholischen Tradition (Spiritualität,
Heiligenverehrung, Liedgut etc.) vertraut; dies konnte vor allem während
der Massendemonstration genutzt werden.
»Theologie des Kampfes«
In den 1960er Jahren entstand in Südamerika die »Befreiungstheologie«.
Unter Berufung auf Evangelium und sozialistische Gesellschaftstheorien mahnt
sie zum konsequenten Einsatz von Theologie und Kirche zur Beseitigung ungerechter
Strukturen.
Etwa zeitgleich entstand auf den Philippinen eine »Theologie des Kampfes«,
wo Katholiken – Laien, Theologen, Priester, Ordensleute – mit Berufung
auf Jesus und das Evangelium gewaltlosen Widerstand gegen das Regime leisteten
und auf gesellschaftlichen Wandel und soziale Gerechtigkeit drängten.
Aktionen
Geistliche wurden in Oppositionsgruppen aktiv und überzeugten diese von
der Idee eines gewaltlosen Kampfes. Sie informierten über friedliche Methoden
zur Konfliktbearbeitung (»Radio Veritas«), führten ab 1984
regelmäßig Schulungen über gewaltlosen Widerstand durch und
standen auch im Februar 1986 in vorderster Front den Marcostruppen gegenüber.
Glaubwürdigkeit
Katholische Friedensvermittler erwiesen sich als glaubwürdig und vorbildlich,
da sie selbst – auch unter Lebensgefahr – am Widerstand teilnahmen.
Aufgrund seiner moralischen Autorität konnte Kardinal Sin die Bischofskonferenz
zu einer Stellungnahme gegen Marcos bewegen, zur Durchsetzung des gewaltfreien
Widerstandes und zur Mobilisierung der Massen beitragen.
Wirksamkeit
Bei ihrer Friedensvermittlung konnte die katholische Kirche auf ihre landesweite
Präsenz (Gemeinden) und die damit verbundene Infrastruktur zurückgreifen.
Über eigene Medien (»Radio Veritas«) konnten Massen mobilisiert
und durch internationale Kontakte konnte die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit
erregt werden.
Die katholische Kirche
Jaime Cardinal Sin, Erzbischof der katholischen Diözese
Manila
(2000)