Nach der Ermordung des Oppositionsführers Benigno
Aquino im August 1983
schließen sich immer mehr Menschen der Oppositionsbewegung an. Präsident
Marcos kündigt auf Druck der Öffentlichkeit vorgezogene Präsidentschaftswahlen
für Februar 1986 an. Aquinos Witwe Corazon tritt als Gegenkandidatin an.
Durch nachgewiesenen Wahlbetrug versucht Marcos sein Amt zu halten.
Angesichts des Wahlbetrugs und der internationalen Aufmerksamkeit wenden sich
Kardinal Sin und die Bischofskonferenz gegen Marcos und
unterstützen Corazon
Aquino. In einer öffentlichen Erklärung am 13. Februar spricht ein
Großteil der Bischöfe der Regierung ihre legale und moralische Berechtigung
ab und ruft zum gewaltlosen Widerstand als einer Pflicht aller Christen auf.
Militärputsch
Durch das Vorgehen der Kirche ermutigt, entschließen sich Teile
der Armee zum Putsch. Verteidigungsminister Enrile und Vize-Generalstabschef Ramos – langjährige
Weggenossen von Marcos – verschanzen sich mit dem ihnen ergebenen Teil
des Militärs am 22. Februar 1986 im Camp Crane, am Rande der Hauptstadt
Manila. Sie sichern der Wahlsiegerin Aquino ihre Unterstützung zu.
Intervention der katholischen Kirche:
die »Rosenkranzrevolution«
Eine gewaltsame Eskalation fürchtend, ruft Kardinal
Sin über das
kirchliche »Radio Veritas« (»Radio Wahrheit«) das philippinische
Volk zu Hilfe. Zwei bis drei Millionen Menschen versammeln sich auf der großen
Zufahrtsstraße zum Camp Crane und bilden einen menschlichen
Schutzwall zwischen den Putschisten und den anrückenden Marcostreuen Truppen.
Die Soldaten wagen nicht, die vor ihnen knienden und Rosenkränze
betenden Menschen – in vorderster Reihe meist Nonnen und Mönche, Frauen und
Kinder – zu überfahren oder in die Menge zu schießen. Zweieinhalb Tage harren die Demonstranten aus: bei brütender Hitze, ohne
Essen und unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, stets in Angst, dass
die Marcos-Truppen angreifen oder dass Einzelne eine gewaltsame Niederschlagung provozieren
könnten. Halt und Kraft zum Durchhalten geben den Demonstranten Gebet,
Gesang und Meditation.
Währenddessen wird fieberhaft zwischen Regierung und Opposition, den Putschisten
und regierungstreuen Militärs, US-Gesandten und Kardinal Sin verhandelt.
Nach zweieinhalb Tagen stellt sich schließlich der Großteil der
Armee auf die Seite der Opposition. Marcos ist gestürzt und die USA bringen
ihn außer Landes. Am 25. Februar wird Corazon Aquino als neue
Präsidentin vereidigt.