Politische Ziele des amerikafreundlichen Marcos sind vor allem Modernisierung
der Wirtschaft und Bekämpfung des Sozialismus. Als »starker Führer« übt
Marcos eine pseudo-demokratische Alleinherrschaft aus mit massiven Repressalien
gegen alle Oppositionellen. Unter Marcos herrscht ein »Compadre-System«:
Alle Schlüsselpositionen in Armee, Wirtschaft und Verwaltung werden
mit Marcos’ Verwandten oder Vertrauten besetzt. Aber ohne die wirtschaftliche
Hilfe von USA, IWF und Weltbank und ohne die militärische Unterstützung
durch die USA im »Kampf gegen den Kommunismus« wäre das
Marcos-Regime nicht überlebensfähig.
Das Militär
Seit der Verhängung des Kriegsrechts 1972 wachsen Größe und
Einfluss der Armee stetig, angeblich um die Rebellen (siehe »bewaffneter
Widerstand«) zu bekämpfen, tatsächlich jedoch um die Opposition
zu unterdrücken und die Bevölkerung zu terrorisieren.
Ab den 1980er Jahren macht sich unter den jüngeren Offizieren Unzufriedenheit
breit wegen mangelnder Aufstiegschancen: Befördert wird nicht aufgrund
von Leistung, sondern aufgrund persönlicher Beziehungen zu Präsident
Marcos.
Die Regime-Gegner
a) Parlamentarische Opposition
Die parlamentarische, bürgerliche Opposition besteht aus den reichen
Eliten des Landes. Sie ist in sich zerstritten und hat wenig Rückhalt in der
Bevölkerung.
Größte und wichtigste Gruppe ist die 1979 gegründete UNIDO
(United Democratic Opposition), welcher der beliebte Senator Benigno
Aquino angehört. Nach seiner Ermordung wird seine Witwe, Corazon
Aquino, zur
wichtigsten Identifikationsfigur der Opposition und zur Gegenkandidatin von
Marcos bei den Präsidentschaftswahlen.
b) Der bewaffnete Widerstand
Seit 1969 organisiert sich die extreme Linke auf den Philippinen in der kommunistischen Partei CPP und deren bewaffneten Arm, der »National People’s
Army«. Sie bekämpfen Marcos mit Bombenattentaten und Guerillaaktionen
und streben eine sozialistische Staatsform an.
Mit Waffengewalt kämpft auch die muslimische Gruppe »Moro National
Liberation Front« (MNLF) für ihre Autonomie.
Die katholische Kirche
a) Konservative
Große Teile der Kirchenführung – Kardinal Sin (Erzbischof
von Manila) und die Bischofskonferenz – sind mit dem Marcos-Regime
verflochten und mit Kritik eher zurückhaltend. Erst Mitte der 1980er Jahre beginnt
Kardinal Sin die politische Opposition (UNIDO) zu unterstützen, da er
befürchtet, dass eine zu enge Bindung an ein diktatorisches Regime dem
Ansehen der Kirche dauerhaft schaden könnte.
b) Gemäßigte
Kleiner Teil der Bischofskonferenz und Teile der Priesterschaft, die das Marcos-Regime offen kritisieren.
c) Progressive Bischof Claver, Teile des Klerus (Priester und Ordensleute) und die Kirchenbasis.
Sie sind Anhänger einer spezifisch philippinischen »Theologie
des (gewaltlosen) Kampfes«. Solidarische Basisgemeinschaften organisieren
den Widerstand und wecken die internationale Aufmerksamkeit.
Wie die Befreiungstheologen Lateinamerikas berufen sich auch die kirchlich-politischen
Reformkräfte auf den Philippinen vor allem auf reformtheologische Aussagen
des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Die Akteure
Fotos:
von links nach rechts:
TIME, Ausgabe
21. Okt. 1966,
philipp. Armee, Benigno Aquino, Bischof Francisco Claver SJ